disapearing underware  disapearing underware  disapearing underware  disapearing underware  disapearing underware  
1993 - disappearing underware
8 baryt kontaktprints, SW negativ 24mm x 36mm  (Text)




DISAPPEARING UNDERWARE

1993


Den ersten Blick auf den Körper der Frau, die er zuvor noch nicht nackt gesehen hat, die Vorbereitung für diesen Blick, das Ausziehen des letzten Kleidungsstückes hält Manfred Schneider fest in einer Serie von Momentaufnahmen, die an die Bewegungsphotographie des Pioniers Eadwared Muybridge erinnert: Phasenphotographie, die aufzeichnet, wie das letzte Kleidungsstück verschwindet. Die Geschwindigkeit des Auslösers wird vom Photographen je nach Bewegungsablauf und Geschwindigkeit des Modells korrigiert.

Die Konzeptarbeit „DISAPPEARING UNDERWARE“ ergab sich aus den Vorbereitungen zur Aktphotographie. Anstatt das nackte Modell zu photographieren, hielt Manfred Schneider jedoch bereits den Vorgang des Sich-Ausziehens fest, fing die Spannung ein, die sich einstellt, wenn sich eine Frau vor ihm entkleidet, aber auch die Erregung und Verlegenheit der Frau, die sich nicht nur vor einer Kamera entblößt, sondern auch vor den Augen eines Mannes.

Es sind keine professionellen Modelle, die sich Manfred Schneider für diese Arbeit wählt, es sind Frauen, die in irgendeiner Weise mit ihm in persönlicher Verbindung stehen. Ihre Beziehung ist von Respekt und Distanz getragen. Um die Frau zur Entscheidung zu bewegen, sich für die photographische Arbeit zur Verfügung zu stellen, muß der Photograph sie umwerben. Dieses Geschehen steigert sich bis zu dem Moment, in dem die Frau ihre letzten Kleidungsstücke ablegt, und erreicht den Höhepunkt im ersten Blick auf die nackte Frau, der von der Kamera festgehalten wird.

Die Frauen, die bislang wohl nur privat photographiert wurden und noch nie „Modell standen“, erledigen das Entkleiden langsam und mit Bedacht, die Aufregung scheinbar auskostend, sie agieren zurückhaltend und sorgfältig, als könnten sie sich so über ihre Nacktheit hinwegsetzen, oder sie entkleiden sich schwungvoll und übergehen aufkommende Verlegenheit mit gespielter oder echter Komik.

Keine Bewegung, keine Haltung, die in den Aufnahmen eingefangen ist, gleicht der anderen. Die Frauen vollziehen eine alltägliche Bewegung, die spontan, individuell, und nicht arrangiert ist. Dabei beobachtet und photographiert zu werden, birgt eine Spannung, eine natürliche, offene Erotik, die dem direkten Blick des Photographen entspricht.

Andrea C. Fürst

S/W Baryt
photographiert seit 1993
Je Serie 9 – 24 Einzelaufnahmen
Montage von KB-Kontaktabzügen in einer Reihe von links nach rechts in Rahmen ca.17x55cm
Großvergrößerungen





PhotographieObjekteAustellungen/PublikationenManfred SchneiderKontaktStart