2002 - manns-bilder
12 polaroid SX 70  (Text)




MANNS-BILDER

2002

Manfred Schneider zeigt in seiner Serie MANNS-BILDER Detailaufnahmen männlicher Körper und ihre Verfremdung ins Weibliche. Die Detailaufnahmen hat der Künstler mit der Polaroid-Kamera aufgenommen und daraus gewählte Ausschnitte noch einmal abphotographiert.
Wenn bei der Betrachtung eines einzelnen Motivs dessen Bedeutung nicht sofort erkennbar ist, wird nach Betrachtung mehrerer Aufnahmen wohl jeder feststellen, daß ein Ausschnitt des weiblichen Körpers gemeint ist, den Gustave Courbet in seinem berühmten Bild von 1866 als den "Ursprung der Welt" bezeichnete.

Die photographische Methode, die Manfred Schneider anwendet, zeichnet sich durch die malerische Wirkung und durch den bewußt und nachträglich gewählten Ausschnitt aus. Trotz der fast magischen Konzentration auf das Motiv bringt der Photograph mehrere Momente der Verunklärung ein. Zum einen tut er das durch die Farbigkeit: Sehr helle, weißliche Farben stehen dunklen, fast violetten Tönen gegenüber, so daß die Körperphotographie denaturiert wird. Zum anderen erweist sich beim näheren Hinsehen, daß es sich nicht um das handeln kann, wofür man es hielt. Es ist eben eine Detailaufnahme des männlichen Körpers. Damit vermeidet der Künstler Härte und Direktheit der visuellen Aneignung. Wie der Künstler selbst feststellt, will er mit diesen Aufnahmen nicht abbilden, sondern an die Erinnerung appellieren, an die erotische Vorstellungskraft.
Mit der Verfremdung des männlichen Körpers ins Weibliche deutet der Künstler aber auch auf die Zweipoligkeit des Menschengeschlechts und auf die Frage nach dem männlichen und weiblichen Anteil des Menschen. Weibliche Anatomie, aus "Manns-Bildern" geschaffen, bedeutet ein einzigartiges Aufheben der Geschlechterdifferenz.

Andrea C. Fürst

12 Color Prints 12x18 cm





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